| Wie kann man es schaffen, die Bank zu überzeugen? Versetzen
Sie sich am besten in die Lage des Bankers und stellen Sie sich vor, Sie
hätten einen vollkommen unbekannten und unerfahrenen Unternehmer vor
sich, dessen Geschäft Sie nicht kennen und der - neben 10 anderen Existenzgründern
in dieser Woche - einen Kredit von Ihnen bekommen möchte.
1. Vorbereitung
Geben Sie der Bank Gelegenheit, sich mit Ihnen und Ihrem Geschäft
gedanklich anzufreunden. Wenn Sie bereits bei der Bank persönlich
bekannt sind oder empfohlen werden, haben Sie bessere Karten. Bereiten
Sie den ersten persönlichen Termin mit einer kurzen schriftlichen
Darstellung des geplanten Unternehmens und Ihres Kreditwunsches vor; das
erleichtert Ihnen und dem Banker den Einstieg. Schon diese Unterlage muss
zum Ausdruck bringen, dass Sie professionell an die Sache herangehen.
Der erste Eindruck ist auch hier wie so häufig entscheidend.
2. Der Fahrplan
Übergeben Sie im ersten Termin einen vollständigen Geschäftsplan,
das wird heute von Ihnen erwartet. Darin ist Ihr Geschäftskonzept
realistisch, nachvollziehbar und vollständig dokumentiert. Der Franchisegeber
oder ein sachkundiger Berater können Sie hierbei unterstützen.
Der Geschäftsplanes gibt Ihnen auch die Gelegenheit, selbst noch
einmal genau Ihr geplantes Unternehmen zu durchdenken und evt. Schwachstellen
zu erkennen. Je mehr die Bank von Ihrem Konzept überzeugt ist, um
so mehr wird sie bereit sein, sich zu engagieren.
3. Zahlen lügen nicht
Das Geschäft sollte "von der Papierform her" Aussicht auf
Erfolg haben. Planen Sie die Investitionen und Finanzierungsmittel, Umsatzerwartungen
und Kostenpositionen sowie Entnahmen und Steuern vollständig. Hüten
Sie sich vor geschönten Zahlen; Banker haben ein Gespür dafür.
Achten Sie auch auf branchenübliche Vergleichskennzahlen; Abweichungen
hiervon müssen genau begründet werden können. Zahlen anderer
Franchisenehmer können beweisen, dass Ihre Erwartungen nicht aus
der Luft gegriffen sind. Nutzen Sie für Ihre Darstellung die kaufmännischen
und banküblichen Gliederungsschemata. Vorteil: Sie vergessen nichts,
Sie machen es dem Leser einfach und dokumentieren, dass Sie die kaufmännischen
Gepflogenheiten kennen. Nutzen Sie hier die Kompetenz Ihres Franchisegebers
oder eines Beraters.
4. Wo sind die Kunden?
Die alles entscheidende Frage: Wie kommen Sie an Ihre Kunden? Markteinschätzung,
Wettbewerbssituation und das Vertriebskonzept
sind nachvollziehbar darzustellen. Merke: Nicht Sie zahlen der Bank den
Kredit zurück, sondern Ihre Kunden! Gerade an dieser Stelle können
die Vorteile des Franchising herausgestellt werden, denn ein erprobtes
und ausgefeiltes Marketing- und Werbekonzept gehört zu den Grundleistungen
des Franchisegebers.
5. Liquidität ist alles
Planen Sie stets ausreichende Liquidität, um Schwankungen im Geschäftsverlauf
und Unvorhergesehenes, wie z.B. säumige Kunden, aufzufangen. Der
Kreditbedarf ist deshalb eher großzügig anzusetzen; das macht
die Sache für den Banker darüber hinaus interessanter und er
erkennt, dass Sie vorsichtig planen und das Geschäft im Griff haben.
Die Erfahrung zeigt auch, dass das Problem Liquidität von Existenzgründern
immer wieder unterschätzt wird.
6. Das Geschäft im Griff
Verschaffen Sie sich die notwendigen Fach-, Branchenkenntnisse; seien
Sie auf Rückfragen vorbereitet. Sie müssen deshalb in der Lage
sein, grundsätzliche Fragen zu Ihrem Geschäft und zur Branche
Ihres Unternehmens zu beantworten. Machen Sie sich sorgfältig mit
dem Geschäftskonzept Ihres Franchisesystems vertraut. Falls Sie in
Details nicht sattelfest sind, nehmen Sie ggfl. einen Fachberater Ihres
Franchisegebers mit zum Banktermin. Verweisen Sie auch auf die intensive
Unterstützung des Franchisegebers in der Aufbau- und Betriebsphase
(Schulungskonzept etc.). Dies kann ein Pluspunkt sein.
7. Das Rüstzeug
Kaufmännische Grundkenntnisse sind auch für einen Franchisenehmer
unverzichtbar, denn vielen Existenzgründern ist gerade das fehlende
Know how in diesem Bereich schon zum Verhängnis geworden. Soweit
Sie aus Ihrer früheren Tätigkeit Managementerfahrung nachweisen
können, sollten Sie dies ausführlich dokumentieren. In diesen
Zusammenhang gehört auch das Thema Franchisevertrag: Rechnen Sie
damit, dass dessen Umfang viele Banker abschreckt. Auf jeden Fall sollten
Sie den Vertrag genau kennen und auch Fragen hierzu beantworten können
Lassen Sie - wie bei allen anderen wichtigen Verträgen auch - nicht
den Eindruck aufkommen, dass Sie nicht wissen, was Sie unterschreiben.
8. Nur Profis haben Erfolg
Dokumentieren Sie durch Ihren gesamten Auftritt Solidität und Professionalität,
einfach, dass Sie als Unternehmer vertrauenswürdig sind. Einwandfreie,
klar gestaltete und vollständige Geschäftsunterlagen, zielstrebiges
aber freundliches Auftreten und Verhandeln, das Einhalten von Zusagen
und Terminen zeigen dem Banker, dass man sich auf Sie verlassen kann.
Hier kommt es auch auf Kleinigkeiten an. Ihr persönlicher Eindruck
ist mindestens so wichtig, wie das Geschäftskonzept selbst. Stellen
Sie sich auch auf Fragen zu Ihrer privaten Situation ein. Beurteilen Sie
selbst, ob diese zu Ihrem zukünftigen Beruf als Unternehmer passt.
Steht Ihr Ehepartner hinter Ihnen?
9. Das Ziel
Erläutern Sie, wie Sie sich im Groben die Finanzierung vorstellen;
klären Sie Ihre Strategie vorher mit Ihrem Franchisegeber oder Berater
ab. Überstrapazieren Sie dabei nicht im ersten Termin das Thema öffentliche
Fördermittel und Konditionen, aber machen Sie klar, dass Sie Bescheid
wissen. Rechnen Sie damit, dass Sie gerade als Existenzgründer Sicherheiten
für den Kredit Sicherheiten zur Verfügung stellen müssen
und überlegen Sie sich genau welche Sie stellen wollen (Verhandlungssache).
Wenn Sie ein gutes Verhältnis zu Ihrer Hausbank haben, kann Ihr guter
Name (Bonität) auch für einen größeren ungesicherten
Kredit ausreichen.
10.Zeit und Geduld
Stimmen Sie mit der Bank einen Zeitplan ab; klären Sie, welche Unterlagen
benötigt werden und bringen Sie diese schnellstmöglich bei.
Geben Sie der Bank Gelegenheit, sich die Entscheidung in Ruhe zu überlegen.
Planen Sie ca. 4-6 Wochen vom ersten Gespräch bis zur Unterschrift
des Kreditvertrages ein.
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